Münchens Osten steht selten im Reiseführer ganz vorn. Die großen Touren schicken ihre Leute zum Marienplatz, in den Englischen Garten und auf den Viktualienmarkt, selten weiter als bis zum Müller'schen Volksbad. Dabei beginnt jenseits der Isar ein Teil der Stadt, der genauso viel Geschichte, Kunst und Natur zu bieten hat, nur eben ohne die Menschentrauben der Innenstadt.
Au-Haidhausen, Bogenhausen, Berg am Laim, Trudering-Riem und Ramersdorf-Perlach: Das ist der Münchner Osten, ein Flickenteppich aus gründerzeitlichen Vierteln, Nobelvillen, alten Dorfkirchen und einem ehemaligen Industriegelände, das heute zum angesagtesten Ausgehquartier der Stadt geworden ist. Elf Orte, die zeigen, warum sich der Weg über die Isar lohnt.
- 1. Müller'sches Volksbad
- 2. Gasteig und das Kulturviertel Haidhausen
- 3. Das Franzosenviertel
- 4. Maximilianeum
- 5. Friedensengel und Museum Villa Stuck
- 6. Prinzregententheater
- 7. Alter St.-Georg-Friedhof in Bogenhausen
- 8. Werksviertel-Mitte
- 9. St. Michael in Berg am Laim
- 10. Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf
- 11. Riemer Park und Riemer See
- Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
1. Müller'sches Volksbad
- Adresse: Rosenheimer Straße 1, 81667 München (Haidhausen)
- Eintritt: Tageskarte ca. 4,80 Euro, Sauna deutlich teurer
- Geeignet für: Schwimmer, Architekturfreunde, Saunagänger
- Verkehr: S-Bahn und Tram Rosenheimer Platz, direkt an der Isar
Das Müller'sche Volksbad am Isarufer ist eines der schönsten Jugendstilbäder Deutschlands. Eröffnet 1901, war es zu seiner Zeit das modernste und mit das größte Hallenbad der Welt. Der Münchner Ingenieur Karl Müller stiftete den Bau, der Architekt Carl Hocheder gab ihm seine neubarocke Hülle mit Tonnengewölbe, Stuck, Wandmalereien und Bronzefiguren.
Bis heute wird hier geschwommen und sauniert, das große Becken liegt unter einer prächtig verzierten Decke, daneben gibt es ein zweites Becken und einen historischen Saunabereich mit römisch-irischem Dampfbad. Wer in München einmal in einem echten Baudenkmal seine Bahnen ziehen will, ist hier richtig.
2. Gasteig und das Kulturviertel Haidhausen
- Adresse: Rosenheimer Straße 5, 81667 München (Haidhausen)
- Eintritt: frei (Konzerte und Veranstaltungen kostenpflichtig)
- Geeignet für: Konzertbesucher, Kulturinteressierte, Studenten
- Hinweis: Stammhaus seit 2021 in Generalsanierung, Interim "Gasteig HP8" in Sendling
Der Gasteig auf dem Hochufer über der Isar war jahrzehntelang Münchens größtes Kulturzentrum. Unter dem roten Backsteinbau von 1985 vereinen sich die Philharmonie mit ihrem großen Konzertsaal, die Hochschule für Musik und Theater, die Münchner Stadtbibliothek und die Volkshochschule. Das Stammhaus wird derzeit umfassend saniert, der Konzert- und Kulturbetrieb läuft in der Zwischenzeit im Interim "Gasteig HP8" weiter.
Rund um den Gasteig liegt das lebendige Haidhausen, dessen Gründerzeit-Quartiere im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieben. Etwa zwei Drittel der Wohnhäuser stammen noch aus der Zeit vor 1914. Eine Übersicht über die einzelnen Viertel des Münchner Ostens findest du in unserem Beitrag zu den Stadtteilen in München-Ost.
3. Das Franzosenviertel
- Lage: rund um den Pariser Platz und den Bordeauxplatz, 81667 München (Haidhausen)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Stadtbummler, Architekturfreunde, Cafébesucher
- Verkehr: S-Bahn Rosenheimer Platz oder Ostbahnhof
Westlich des Ostbahnhofs liegt eines der besterhaltenen Gründerzeitviertel Münchens. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurden die Straßen nach eroberten französischen Städten benannt, daher der Name Franzosenviertel. Pariser Platz, Bordeauxplatz, Wörthstraße und Weißenburger Straße sind von repräsentativen Altbaufassaden gesäumt.
Der Bordeauxplatz mit seiner schmalen Grünanlage und dem alten Baumbestand gilt als eines der schönsten Wohnensembles der Stadt. Cafés, kleine Läden und Restaurants machen das Viertel zu einem beliebten Ziel für einen Bummel ohne festes Programm.
4. Maximilianeum
- Adresse: Max-Planck-Straße 1, 81675 München (Haidhausen)
- Eintritt: Außenbesichtigung frei, Führungen nach Anmeldung
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Fotografen, Spaziergänger
- Tipp: Blick von der Maximiliansbrücke über die Isar auf die Fassade
Am östlichen Ende der Maximilianstraße thront das Maximilianeum auf dem Isarhochufer. König Maximilian II. legte 1857 den Grundstein, der Architekt Friedrich Bürklein vollendete den Bau 1874 im eigens entworfenen Maximilianstil. Bürklein verstand die Achse von der Altstadt über die Isar nach Haidhausen als eine Folge von Straße, Brücke und krönendem Schlussbau auf der Anhöhe.
Heute ist das Maximilianeum Sitz des Bayerischen Landtags. Zugleich beherbergt es weiterhin die Stiftung Maximilianeum, eine 1852 gegründete Hochbegabtenförderung, deren Stipendiaten seit 1876 in dem Gebäude wohnen.
5. Friedensengel und Museum Villa Stuck
- Adresse: Prinzregentenstraße 60, 81675 München (Bogenhausen)
- Eintritt: Friedensengel frei, Museum Villa Stuck ca. 9 Euro
- Geeignet für: Kunstfreunde, Jugendstil-Liebhaber, Spaziergänger
- Geöffnet: Museum Dienstag bis Sonntag
Wo die Prinzregentenstraße die Isar überquert, erhebt sich auf dem Bogenhausener Hochufer der Friedensengel. Die vergoldete Figur nach dem Vorbild der griechischen Siegesgöttin Nike steht seit 1899 auf einer hohen Säule und erinnert an die 25 Friedensjahre nach dem Krieg von 1870/71. Die umgebenden Maximiliansanlagen sind ein beliebter Treffpunkt mit weitem Blick zurück zur Innenstadt.
Wenige Schritte entfernt liegt das Museum Villa Stuck. Der Malerfürst Franz von Stuck (1863 bis 1928) entwarf sich die Villa 1897/98 als Gesamtkunstwerk. Vom Empfangssalon bis zum Atelier ist jeder Raum bis ins Detail im Jugendstil gestaltet, heute zeigt das Museum die historischen Wohnräume und wechselnde Ausstellungen.
6. Prinzregententheater
- Adresse: Prinzregentenplatz 12, 81675 München (Bogenhausen)
- Eintritt: je nach Veranstaltung
- Geeignet für: Theater- und Opernbesucher, Architekturfreunde
- Verkehr: U-Bahn Prinzregentenplatz (U4)
Das Prinzregententheater am Prinzregentenplatz wurde 1901 als Festspielhaus für die Werke Richard Wagners eröffnet. Der Bau orientiert sich am Vorbild des Bayreuther Festspielhauses mit seinem amphitheatralisch ansteigenden Zuschauerraum ohne Ränge.
Nach Kriegsschäden und einer langen Phase als Ausweichbühne der Bayerischen Staatsoper wurde das Haus aufwendig saniert. Heute finden hier Opern, Konzerte und Theateraufführungen statt, außerdem ist es Sitz der Bayerischen Theaterakademie August Everding. Der Prinzregentenplatz davor mit dem Hubertusbrunnen zählt zu den eindrucksvollsten Plätzen Bogenhausens.
7. Alter St.-Georg-Friedhof in Bogenhausen
- Adresse: Bogenhauser Kirchplatz 1, 81675 München (Bogenhausen)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Ruhesuchende, Literaturfreunde, Geschichtsinteressierte
- Tipp: Blick vom Friedhof über das Isartal
Auf dem Hochufer der Isar steht die kleine Rokokokirche St. Georg, erbaut von 1766 bis 1768 nach Plänen von Johann Michael Fischer. Sie ist der Mittelpunkt des alten Dorfkerns von Bogenhausen, der zwischen den Nobelvillen fast unverändert erhalten geblieben ist.
Berühmt ist vor allem der umliegende Friedhof Bogenhausen. Auf nur rund 240 Gräbern liegen einige der bekanntesten Namen der deutschen Kultur, darunter Erich Kästner, Liesl Karlstadt, Rainer Werner Fassbinder und Oskar Maria Graf. Der winzige Friedhof gilt als Spiegel der Münchner und deutschen Geistesgeschichte und ist ein stiller, sehr besonderer Ort.
8. Werksviertel-Mitte
- Adresse: rund um die Atelierstraße, 81671 München (am Ostbahnhof, Berg am Laim)
- Eintritt: frei (einzelne Angebote kostenpflichtig)
- Geeignet für: Nachtschwärmer, Familien, Streetart-Fans
- Highlight: Riesenrad Umadum mit Blick über die Stadt
Wo von 1949 bis 1996 die Firma Pfanni Kartoffelknödel produzierte, liegt heute das angesagteste Ausgehviertel Münchens. Nach dem Ende der Produktion zog ab 1996 der legendäre Kunstpark Ost ein, eine der größten zusammenhängenden Ausgehmeilen Europas, später Kultfabrik genannt. Seit 2016 wird das Gelände als Werksviertel-Mitte zu einem Quartier aus Kultur, Gastronomie, Wohnen und Arbeiten umgebaut.
Heute drehen sich hier das Werk7 Theater, Clubs, Konzertorte, Restaurants und das transportable Riesenrad Umadum, das seit 2019 mit 27 Gondeln über dem Ostbahnhof kreist. In den kommenden Jahren entsteht auf dem Areal außerdem der neue Konzertsaal für die Stadt. Über die Mieten in den jungen Quartieren rund um den Ostbahnhof informiert unser Mietspiegel für München-Ost.
9. St. Michael in Berg am Laim
- Adresse: Clemens-August-Straße 9, 81735 München (Berg am Laim)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Liebhaber barocker Kunst
- Verkehr: Tram und Bus Berg am Laim, S-Bahn Berg am Laim
Mitten im bürgerlichen Berg am Laim steht eine der schönsten Rokokokirchen Bayerns. St. Michael wurde von 1735 bis 1751 im Auftrag des Kurkölnischen Kurfürsten Clemens August nach Plänen von Johann Michael Fischer errichtet. Es ist die einzige Kirche Fischers, die so reich mit Rokokoschmuck ausgestattet wurde.
Im Inneren schufen einige der besten Künstler ihrer Zeit das Gesamtkunstwerk: Johann Baptist Zimmermann gestaltete von 1743 bis 1744 die Deckenfresken und den Stuck, das Hochaltarbild stammt von Johann Andreas Wolff, Schnitzwerke steuerten Ignaz Günther und Johann Baptist Straub bei. Mit der Auflösung des Kurfürstentums Köln kam Berg am Laim 1801 zu Bayern, die Hofkirche wurde zur Pfarrkirche.
10. Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf
- Adresse: Aribonenstraße 9, 81669 München (Ramersdorf)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Pilger, Geschichtsinteressierte, Liebhaber alter Kunst
- Tipp: Frauendreißiger vom 15. August bis 14. September
St. Maria in Ramersdorf ist die älteste Marienwallfahrtskirche Münchens und zählt zu den ältesten Wallfahrtsorten Bayerns. Schon zu Beginn des 14. Jahrhunderts zog das Gnadenbild Pilger an, die heutige Kirche stammt im Kern aus dem 15. Jahrhundert. Über dem alten Dorfanger von Altramersdorf bildet sie bis heute einen ländlichen Ruhepol inmitten der Großstadt.
Berühmte Künstler arbeiteten an der Ausstattung: Vom ehemaligen Kreuzaltar haben sich Figuren von Erasmus Grasser aus dem Jahr 1483 erhalten, die Flügelbilder werden Jan Polack zugeschrieben. Einen festen Aufschwung nahm die Wallfahrt 1683, als sieben Münchner Tuchmacher für die Befreiung Wiens von der Türkenbelagerung den dreißigtägigen Frauendreißiger gelobten. Von 2014 bis 2018 wurde die Kirche umfassend saniert.
11. Riemer Park und Riemer See
- Adresse: Messestadt Riem, 81829 München (Trudering-Riem)
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Badegäste, Radfahrer, Familien, Picknicker
- Verkehr: U-Bahn Messestadt West und Messestadt Ost (U2)
Auf dem Gelände des früheren Flughafens München-Riem entstand zwischen 1997 und 2005 einer der größten neuen Parks der Stadt. Der Landschaftsarchitekt Gilles Vexlard gestaltete den rund 210 Hektar großen Riemer Park, der 2005 als Schauplatz der Bundesgartenschau eröffnet wurde. Wegen seiner Größe gilt er als einer der größten Parks Münchens.
Im Herzen des Parks liegt der Riemer See, der einstige BUGA-See. Mit fast 14 Hektar Gesamtfläche, Kiesstrand und einer Tiefe von bis zu 18 Metern ist er einer der beliebtesten Badeseen Münchens. Drumherum laden weite Wiesen, lange Wege und der angrenzende Messestadt-Bezirk mit der Messe München zum langen Aufenthalt ein.
- Mae West am Effnerplatz: 52 Meter hohe Skulptur aus Karbonröhren, seit 2011 ein moderner Blickfang in Bogenhausen
- Wiener Platz in der Au: alter Marktplatz mit historischem Maibaum und ständigem Markt, dazu dreimal im Jahr die Auer Dult
- Hofbräukeller am Wiener Platz: traditionsreicher Biergarten unter Kastanien, abseits der Touristenströme
Ausblick: Was als nächstes für Besucher entsteht
Der Münchner Osten wird in den nächsten Jahren noch sichtbarer. Im Werksviertel-Mitte wächst der neue Konzertsaal für München heran, der das Quartier endgültig vom Industriegelände zum Kulturort machen soll. Der Gasteig in Haidhausen wird derweil generalsaniert und kehrt nach Jahren des Interims zurück.
Der Osten ist kein Ort, an dem man eine Liste abarbeitet. Es ist ein Teil Münchens, in dem man sich Zeit nimmt: einen Nachmittag am Riemer See, eine Runde durch das Franzosenviertel, ein paar Bahnen im Jugendstilbad und der Blick vom Friedensengel zurück auf eine Stadt, die hier draußen plötzlich ganz ruhig wird.